- Giudice de Cinarca (Sinucello della
Rocca)
Geboren in Olmeto 1221: Sinucello della Rocca war besser bekannt unter
dem Namen Giudice de Cinarca. Er ist ein repräsentatives Beispiel für
die mächtigen Lordschaften, die Korsika im 13. Jahrhundert unter sich
aufteilten, einige unterstützten Korsika, andere Pisa.
Er entstammte einer örtlichen Gutsherrenfamilie aus Cinarca, die im
Süden beinahe die Hälfte der Insel beherrschte. Sinucello ging als junger
Mann zur Armee der Republik Pisa und erhielt mit 24 Jahren den Titel
des "Giudice" (Richter, oder oberster Magistrat) und den Auftrag
den Rest der Insel zu unterwerfen.
Als erbitterter Gegner des anderen Lagers machte Giudice schnell Fortschritte
bei der Eroberung der Insel.
Trotzdem wechselte er 1258 auf die Seite Genuas
und schwor ihr die Treue. Nur um sich 1280 wegen einer Meinungsverschiedenheit
wieder zum Vasallen Pisas zu erklären.
Dann, nachdem er 1289 die Überlegenheit Genuas über Pisa erkannte, wendete
er sich 1290 wieder gegen sie.
Er wurde schnell zum Herrscher des Landes und wollte friedlich und
gerecht regieren, denn er war sich der durch unaufhörliche Kämpfe ausgelaugten
Bevölkerung bewußt. Ein großer Erfolg, wohingegen sein Wankelmut, seine
Siege und seine starke Persönlichkeit ihn für seine Widersacher zu einer
Person machten, die man loswerden mußte.
Dann fiel dieser Lehnsherr, der zahlreiche Allianzen mit den verfeindeten
Republiken einging, zur Freude seiner Neider, schließlich Pisa und
Genua zum Opfer.
Pisa ergab sich viel zu schnell, als daß die Festlegung seiner
Verbannung in einer der Klauseln des Friedensvertrages zwischen
Genua und Pisa 1299 gerechtfertigt gewesen wäre - dies hatte er
wohl seiner gefürchteten kriegerischen Energie zu verdanken. Durch
den Verrat einer seiner Söhne wurde Giudice de Cinarca von den
Genuesen am Strand von Propriano
gefangengenommen und nach Genua verschleppt, wo er eingesperrt
und 1306 laut Mithäftlingen verstarb.
Wie viele historische Figuren ist Giudice de Cinarca mittlerweile zu
einer Legende geworden, in der jeder seine Sensibilität, seinen heldenhaften
Patriotismus oder verrückte Ambition finden wird.
- Sampiero Corso
Dieser Mann wurde am Fuße des Renosuberges geboren, während in Florenz
der Mönch Savonarole von den Flammen verzehrt wurde.
Sampiero war noch sehr jung, als er sich in den Dienst des letzten großen
florentinischen Condottieries begab: Giovanni de Medeci. Dieser große
Kapitän war der Meinung, daß das Kriegshandwerk ein unverzichtbarer Teil
der hohen Künste sei.
Er war ein gelehrter Mann der mit einem Mut kämpfte, der seinen Söldner
beeindruckte. Giovanni erkannte in dem jungen Korsen einen Ebenbürtigen
und behandelte ihn als solchen.
Giovanni de Medeci stellte sich 1522 in den Dienst Frankreichs und
nahm Sampiero mit sich.[...] Sampiero kämpfte an den Ufern des Bayard
und bedeckte sich mit Ruhm, so daß er den Titel eines Oberst der korsischen
Infanterie im Dienste Frankreichs erhielt. Er kehrte zu seiner Insel
zurück um Vanina d'Ornano, die Erbin einer der berühmtesten Familien
Korsikas, zu ehelichen. Er war fünfzig Jahre alt und seine Frau ganze
fünfunddreißig Jahre jünger.
Die Genuesen konnten den Prestige des
alten Soldaten kaum ertragen und warfen ihn ins Gefängnis. Dank
der Intervention des französischen Königs Henri dem II. kam Sampiero
wieder frei. Er kehrte Heim und mußte mit ansehen wie sein Haus,
das er in Bastelica gebaut hatte, abgerissen wurde. Dies war eine
fatale Beleidigung.
Später, als Pasquale Paoli seine Gesetzgebung
erließ, ordnete er an, die Häuser derjenigen abzureißen, die an der
Vendetta beteiligt waren.
Denn wer sein Haus verliert, verliert seine Wurzeln.
Sampiero verschwor sich gegen Genua - eine Feindschaft mit loderndem
Herzen. Um gegen die Republik von Ligurien zu kämpfen, verbündete er
sich mit seinem alten Gegner Charles Quint.
Im Dienste der französisch-türkischen Allianz beteiligte er sich an
der Landung von Bastia. Die Türken gaben Korsika 1553 auf und Sampiero
blieb alleine gegen die Genuesen, angeführt von Andrea Doria.
Der letztgenannte stellte eine Armee von 12.000 Mann auf.
Am 18. September 1554, hackten die Korsen unter Sampiero sie am Paß
von Tenda in Stücke.
Am 15. September 1557 wurde Korsika in Viscuvatu [Vescovato] ins französische
Königreich aufgenommen.
Die großen Mächte haben oft Beweggründe, die die Interessen der kleinen
Nationen ignorieren.
Zwei Jahre später wurde Korsika durch den Vertrag von Cateau-Cambresis
an Genua zurückgegeben. [...]
Vom französischen König zum Ehrenbotschafter in der Türkei ernannt,
verließ Sampiero Corso seine Frau und seine Kinder in seinem Haus in
Marseilles. Die junge Frau war sehr unzufriedenen und ließ sich vom
Privatlehrer ihrer Kinder, dem Priester Michel-Ange Ombrone - einem
genuesischen Spion - manipulieren.
Vanina verkaufte Sampieros Güter und segelte zur Hauptstadt von Ligurien.
Ihr Ehemann wußte davon und ließ das Schiff abfangen.
Dann verurteilte er seine Frau und verhängte die Todesstrafe.
Sie akzeptierte das Urteil, aber sie flehte ihn an, sie mit seinen eigenen
Händen zu erwürgen, anstatt sie dem Strang des Henkers zu überlassen.
Sampiero tat ihr diesen Gefallen.
Dieser Mord war ein großer Skandal, da die Verstorbene aus einer adligen
Familie stammte. Die Königin von Frankreich ließ verkünden, daß sie
diesen "Mörder" nicht empfangen würde.
Dieser Vorfall inspirierte Shakespeare, der Sampiero in den Charakter
von Othello transformierte.
Der alte Löwe gab seinen Kampf für die Unabhängigkeit Korsikas nicht
auf. 1564 landete er mit fünfundzwanzig gasconischen Söldnern im Golf
von Valincu. Er setzte seinen Fuß auf das heilige Land und sprach diese
Worte:
« Ich komme nicht wegen persönlicher Interessen hierher, sondern um
mein armes Vaterland zu befreien.»
Die Korsen behielten den Schmerz des französischen Verrats gut in Erinnerung
und schlossen sich dem alten Oberst nicht gerne an. Trotzdem gelang
es ihm mit 200 erfahrenen Männern die Genuesen zu besiegen.
Jetzt schickten ihm die korsischen Dörfer Verstärkung. Die Revolution
verbreitete sich wie ein Lauffeuer von den Bergen bis zu den Ebenen
über das Land. Nur das Kap widersetzte sich der Flut der Unabhängigkeitsbewebung,
die die Insel überschwemmte.
Die Familie Ornano setzte ein Kopfgeld von zweitausend Dukaten auf den
Oberst aus, während Genua viertausend Dukaten bot. In Livia schwor ihm
die korsische Nationalversammlung die Treue.Sampiero war muntere 69
Jahre alt und führte den Kampf an.
Der Krieg wütete auf der Insel und die Massaker wurden mit Grausamkeit
beantwortet. Die Genuesen entschieden, die Brüder Ornano zu benutzen,
um den alten Löwen zu töten.
Nicht weit von Prunelli erstreckt sich die Ebene bis zum Meer. In der
Ferne zeichnet sich der Golf von Ajacciu ab.
Hier fiel Sampiero Corso, der Held der Geschichte der Insel, am 17.
Januar 1567.
- Pascal Paoli
Jüngster Sohn Hyacinthe Paolis - alter General der Nation, Anführer zweier
der vier Aufstände, die die korsische Revolution prägten. Pascal Paoli
wurde am 6. April 1725 in Stretta, einem Weiler von Morosaglia, geboren.
Hyacinthe ging 1739 ins neapolitanische Exil und nahm seinen Sohn Pascal
mit sich, der dort eine fundierte Ausbildung und intellektuelles Training
genoß. Er wurde anscheinend sowohl mit den Quellen der klassischen Kultur
vertraut gemacht, als auch in modernen Theorien - besonderes denen der
französischen Philosophen - unterrichtet. Als ehrbarer kultivierter
Mann beherrschte er die englische und französische Sprache fließend
in Wort und Schrift. Er interessierte sich für fremde Lehren und entwickelte
eine Vorliebe für die Politik wobei er mal höchst interessiert und manchmal
völlig desinteressiert war.
Diese Entwicklung und seine Verbundenheit zu Korsika, die er im Alter
von 14 Jahren verließ, machten ihn, obwohl er ein normaler Soldat in
Italien war, sehr empfänglich für die Geschehnisse auf der Insel über
die er von seinem Bruder Clement und einigen Freunden informiert wurde.
Nach der Ermordung von General Gaffori genannt Oberhaupt der Korsen
kontrollierte seine Revolutionsregierung einen Großteil der Insel. Die
Freunde Paolis und sein Bruder drängten ihn auf die Insel zurückzukehren
und für das oberste Amt zu kandidieren.
Mit 30 Jahren zweifellos reif genug für eine solche Entscheidung, landete
der junge Offizier im April 1755 in seinem Heimatland. Dort setzte
er sich am 13. Juli 1755 gegen seinen Mitbewerber Marius Matra
durch und wurde zum obersten General (Capu Generale) gewählt.
Dieses Amt wurde ihm durch den Konsul von Saint Antoine de la
Casabianca übergeben, der ihn damit beauftragte, einen entscheidenden
Krieg gegen Genua zu führen.
Er regierte Korsika 14 Jahre lang.
Um sich selbst nicht nur durch die Wahl, die nicht einstimmig war,
bestätigen zu lassen und weil es seinen Idealen entsprach, engagierte
sich Pascal Paoli für eine bessere moralische und politische Einheit
der Nation. Er wollte es besser machen als seine Vorgänger.
Nachdem er einen durch Matra angeführten Aufstand und an einigen Orten
der Insel starke Widerstände, die aus Freundschaften mit den Genuesen,
den Franzosen oder einfach aus Feindseligkeit einem Mann aus dem Ausland
gegenüber entstanden waren, niedergeschlagen hatte gelang es Pascal
Paoli schließlich die Führung seines Landes zu übernehmen. Er war ein
leidenschaftlicher Vertreter einer Demokratie, deren Bedeutung nicht
auf Anhieb von allen verstanden wurde.
Er gründete eine Hauptstadt in Corte
und ließ dort ein Grundgesetz verfassen, in dem die Souveränität
der korsischen Nation und die Gewaltenteilung verankert wurden.
Weiterhin ließ er Münzen prägen, gab der Gesetzgebung ordentliche
Gerichte, stellte eine Armee auf und arbeitete hart daran, dem
Land eine eigene kleine Flotte zu geben.
Was die Wirtschaft anbetrifft, förderte er die Entwicklung des
Ackerbaus, ließ Sümpfe trockenlegen und stimulierte den Handel.
Aber die Blockade der Küstenorte, von denen er die Genuesen nicht
vertreiben konnte, verhinderte die Entwicklung eines Außenhandels.
Um diesen zu ermöglichen und um eine Gegengewicht zur Macht Calvi,
einer befestigten genuesischen Stadt, zu erschaffen, gründete
er Ile Rousse.
Darin bestrebt, der korsischen Nation dabei zu helfen sich zu behaupten,
gründete er Grundschulen und die Universität in Corte.
Dennoch baten die Genuesen, die im Jahre 1764 zwar noch immer präsent
waren, aber keine Ressourcen für ihre Hauptstädte an der Küste mehr
hatten und einem Pascal Paoli gegenüberstanden, der nicht bereit war
mit ihnen zu verhandeln, Frankreich um Hilfe. Die Franzosen versuchten
mit dem Babbu (Vater) der jungen Nation zu verhandeln, aber sie bekamen
von ihm nur die Bestätigung seines Unabhängigkeitswillens und seine
Bereitschaft, sich im schlimmsten Falle, angesichts der Notwendigkeit
einer Außenpolitik, mit einem Protektorat einverstanden zu erklären.
Die Verhandlungen zwischen der Republik von Genua und dem Frankreich
von Louis dem XV. führten am 15 Mai 1768 zum Vertrag von Versailles.
Weil es wie ein Schuldpfand verschenkt oder verkauft werden sollte,
fühlte sich die junge korsische Nation wie ein Objekt behandelt und
rief während der Beratung vom 22. Mai 1768 zum bewaffneten Widerstand
auf.
Pascal Paoli bekämpfte seinen neuen Gegner, einen der mächtigsten Herrscher
Europas, ein Jahr lang und wurde während der Schlacht von Ponte Nuovo
am 8. Mai 1769 geschlagen.
Nach einigen Versuchen des Widerstands mußte Paoli ins Exil gehen und
ging am 13. Juni an Bord eines englischen Schiffes.
Mit Einladung des Königs wurde er in England mit allen Ehren empfangen,
da er als wahrer Staatsmann galt und aus einem Holz geschnitzt war,
aus dem Helden gemacht wurden.
Die von Pascal Paoli angeführte Revolution wurde, angesichts des Verhältnisses
der mächtigen Genuesen zu der kleinen, unbekannten Insel Korsika, als
von Anfang an zum Scheitern verurteilt angesehen und erregte seit einigen
Jahren die Meinung der Öffentlichkeit sowie der europäischen Intellektuellen.
Es entstand ein richtiger Paolischer Mythos, (mit der griechischen Bedeutung
des Wortes).
Außer Jean-Jacques Rousseau, James Boswell oder Voltaire, trugen in
Europa, Bücher, Zeitungen, private Korrespondenten, lobreiche Essays,
Diplomaten, Geschäftsleute und Historiker zu seinem Ruhm bei. Menschen
die ihre Bewunderung und Hochachtung für einen Menschen zum Ausdruck
brachten, den der große Frederic wie folgt bezeichnete:
großherziger Beschützer und Verteidiger seines Vaterlandes,
ein großer Mann dessen öffentliches Ansehen und Verehrung ihn bereits
unsterblich machen.
Als die Bastille für immer in die Geschichte einging, sah Pascal Paoli
die Zeit seines Londoner Exils nach 21 Jahren durch die Amnestie für
den ausgebürgerten Korsen, die 1789 von Mirabeau vorgeschlagen wurde,
zu Ende gehen.
In Paris wurde er im April 1790 von Louis dem XVI. empfangen, von Robespierre
gelobt und vom Volk freudig begrüßt. Dann landete er auf Korsika, das
zum französischen Departement wurde und wie die anderen Provinzen von
den zunehmenden Unruhen zwischen den Befürwortern und Gegnern der Revolution
geprägt war.
Pascal Paoli wurde zum obersten Befehlshaber der Nationalgarde und
Präsidenten der Departementverwaltung ernannt.
Aber nach einer so langen Zeit im Exil, weit entfernt von den Geschehnissen
auf der Insel in einer Zeit von ständigen Veränderungen, war Pascal
Paoli nicht mehr der Herr der Insel.
Als die Unruhen immer stärker wurden, hielt er es, mit Unterstützung
des Grafen Pozzo di Borgo, für weise, Korsika in Sicherheit zu bringen
und eine Zweitregierung einzurichten um die Insel von Frankreich zu
trennen und den Schutz eines anderen Staates zu erhalten, vorzugsweise
einen mit großer Seemacht und liberaleren Institutionen als die französischen:
ein Protektoratssystem.
Im Jahre 1792, distanziert er sich von den korsischen Befürwortern
der Revolution und wird von Lucien Bonaparte als Revolutionsgegner vor
die Volksversammlung gestellt und seines Amtes enthoben.
Von seinen Anhängern 1793 zum Generalissimo erklärt, gelang es ihm
die Kontrolle über den größten Teil der Insel zu gewinnen. Danach schrieb
er einen Anklagebrief gegen die Volksversammlung, der ihn zum erklärten
Verräter der Republik und damit zum Vogelfreien machte.
Als sich die französischen und Paolis Truppen gegenüberstanden,
bat der Vater der korsischen Nation England um Unterstützung,
das mit dem Geschwader von Nelson, den Widerstand in Bastia,
Saint-Florent und
Calvi brach.
Am 15. Juni 1794 wurde ein englisch-korsisches Königreich gegründet
an dessen Spitze nicht wie von ihm erwartet Pascal Paoli, sondern der
englische Vizekönig Sir Gilbert Elliot stand.
Diese Union hielt nur zwei Jahre. In der Castagniccia tauchten Probleme
auf, die so stark wurden, daß Pascal Paoli auf Bitten Elliots nach London
zurückgerufen wurde.
So machte sich Pascal Paoli im Oktober 1795 wieder auf den Weg ins
Exil.
Seine Insel, um deren Freiheit zu kämpfen er nie müde wurde, wurde
im Oktober 1796 reibungslos von den französischen Truppen zurückerobert.
Nachdem er 47 Jahre im Exil gelebt hatte, starb Paoli am 5. Februar
1807 in London und wurde auf dem Friedhof von St-Pancrace beerdigt.
Die Asche seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit, die so viele Männer
durch ihren aufklärenden Geist gewinnen konnte und den jungen Napoleon
Bonaparte so beeindruckte, ruht seit 1889 in Morosaglia.
- Napoléon Bonaparte
Er wurde am 15. August 1769 in einem Haus auf der Malerbastraße,
die jetzt Saint-Charles-Straße heißt, in Ajaccio
geboren, genau wie seine 12 Brüder und Schwestern - von denen sieben
überlebten -, die seine Eltern Letizia und Charles Marie Bonaparte
ihm schenkten.
Sein Vater, der 1768 an der Seite Pascal Paolis kämpfte und sich wahrscheinlich
der Unumgänglichkeit einer Vereinigung Korsikas mit Frankreich bewußt
war, schloß sich schon sehr bald den Franzosen an und genoß zahlreiche
Vorzüge. So erhielt er beispielsweise ein Stipendium für seine Söhne,
das es dem Jungen Napoleon ermöglichte in der Militärakademie von Brienne
aufgenommen zu werden.
Mit neun Jahren verließ er Ajaccio, Napoleon war bereits ein unabhängiges
Kind mit einem starken Willen. Er erkannte später:
" Ich fürchtete Niemanden, ich schlug den einen,
ich zerkratzte den anderen. Ich stellte mich als für jeden respektgebietend
dar.".
Während seines Studiums in Brienne entwickelte er nicht nur eine einfache
"Liebe fürs Vaterland", sondern einen richtigen Patriotismus.
Er war ein enthusiastischer Anhänger General Paolis: des Mannes, seiner
Ideale und seiner Taten.
1784 wechselte er zur Militärakademie von Paris, die er als Artillerieleutnant
verließ. Im Alter von 16 Jahren, strebte er danach, auf die Insel zurückzukehren,
eine politische und militärische Karriere zu machen und träumte davon
eines Tages an oberster Stelle zu stehen.
Als 1789 die Revolution ausbrach, sah Napoleon sich in seinen Vorstellungen
bestätigt. Er nahm an den politischen Machtkämpfen teil, die Korsika
spalteten und sein Streben, obwohl er erst 20 Jahre alt war, beunruhigte
Pascal Paoli, zu dessen Gegner er bald wurde.
1792 war er gezwungen Ajaccio
zu verlassen, als es ihm bei einem blutigen Aufruhr, der zu einem
Bürgerkrieg ausartete, nicht gelang die Zitadelle zu erobern.
Im darauffolgenden Jahr mußte seine konventionstreue Familie in ihr
Landhaus bei Milelli
fliehen, bevor sie sich Napoleon anschloß. Die Familie war zur
Zielscheibe der Bevölkerung geworden, die einen Groll gegen Lucien
(Napoleons Bruder) hegte, weil dieser so bösartig gegen Paoli
vorging. Napoleon versuchte erneut die Stadt, diesmal mit Hilfe
einer Flotte der Republik, vom Turm des Capitello aus zu erobern
- und scheiterte.
Diese Niederlage kennzeichnete die Abreise Napoleon Bonapartes nach
Toulon und dann weiter zu einem anderen Ziel. Sein Verhalten erinnert
an eine Einschätzung, die von einem seiner Lehrer an der Akademie von
Brienne gemacht wurde:
"Als Korse von Geburt und Charakter, wird er sehr
weit kommen, wenn die Umstände für ihn günstig sind." .
Dieser junge Mann, der bereits eine Art von Genie in sich barg, verließ
seine Insel, aber sie blieb ohne Zweifel für immer der Geburtsort seiner
Familie und Ort seiner Zuneigung.
Im selben Jahr,1793, wurde er zum Leiter der Artillerie ernannt und
es gelang ihm, Toulon für die Royalisten zurückzuerobern, wobei er sich
mit Ruhm bedeckte.
Nachdem er durch die politische Krise (vor allem durch den Fall Robespierres)
Frankreichs einige Rückschläge erlitten hatte, gewann Napoleon 1796,
kurz vor seiner Hochzeit mit Josephine de Beauharnais, wieder Selbstvertrauen,
da er als Kommandeur der Truppen beim Italienfeldzug seine Fähigkeiten
eines militärischen Strategen mit denen eines richtigen Staatsoberhauptes
verbinden konnte.
Als er die Piemonteser und Österreicher geschlagen und ihnen den Frieden
auferlegt hatte (Campo Formio 1797), schuf er, was später zum Königreich
von Italien wurde. Nach seinem Ägyptenfeldzug, von dem er im Oktober
1799 zurückkehrte, baten ihn die Gemäßigten, sie vom Direktorium zu
befreien.
Aber Napoleon Bonaparte war mit seinen Bemühungen am Ende des Jahres
1799 nicht nur ein einfaches Instrument der Bourgeoisie: nach den Staatsstreichen
vom 9. und 10. November ernannte er sich selbst zum Ersten Konsul der
Republik und wurde zum Herrscher des Landes indem er die Verfassung
du l`An VIII einführte, die ihm die exekutive und gesetzgebende Macht
zusicherte.
Als Oberhaupt des Staates und der Armee, gelang es dem mit einer besonderen
Arbeitsfähigkeit, Intelligenz und kreativer Vorstellungskraft ausgestattetem
Napoleon in Rekordzeit die Verwaltung und Gesetzgebung zu reformieren.
Wiederum erfolgreich gegen die österreichische Koalition, zwang er
den Engländern den Frieden auf und unterzeichnete 1801 das Konkordat
mit Pius dem VII., das die Kirche in Frankreich unter staatliche Macht
stellte. Napoleon sah seine Macht von Tag zu Tag wachsen und hatte immer
größere Schwierigkeiten die Opposition zu ertragen.
Als ein Komplott der Royalisten entdeckt wurde, erklärte er sich 1804
unter dem Namen Napoleon der 1. zum Kaiser Frankreichs und 1805 zum
König von Italien.
Dann wurde eine richtige "Monarchie" mit einem Hof und einem
kaiserlichen Hochadel um ihn herum aufgebaut, während das etablierte
System unter seinem Einfluß reformiert und modernisiert wurde: Bildung,
Städteplanung, Wirtschaft, Künste, und der napoleonische Kodex gaben
der aus der Revolution geborenen Gesellschaft eine gesetzliche Basis...
Doch der Kaiser wurde schnell wieder vom Krieg in Beschlag genommen.
Er unterlag England (Trafalgar 1805) aber gewann eine Reihe von Feldzügen
gegen die Österreicher-Russen (Austerlitz 1805), die Preußen (Jena 1806)
und errichtete das große Kaiserreich nach dem Vertrag von Tilsit im
Jahre1807.
Als Antwort auf die englische Seeblockade, errichtete Napoleon zwischen
1806 und 1808 das kontinentale System um die Briten zu isolieren. Diese
Blockade belebte tatsächlich die französische Industrie und Landwirtschaft,
behinderte jedoch die europäische Wirtschaft und zwang den Kaiser eine
Expansionspolitik zu führen. Diese reichte von den päpstlichen Ländern,
über Portugal und Spanien bis zur Herrschaft über eine neue Österreichische
Koalition (Wagram 1809) und erschöpfte seine Armeen völlig.
1810, darum bemüht, sich einen Nachfahren zu sichern, heiratete Napoleon
Marie Louise von Österreich, die ihm einen Sohn schenkte: Napoleon II.,
König von Rom.
Im Jahre 1812, die Feindschaft des Zaren Alexander des 1. befürchtend,
fiel die große Armee Napoleons in Rußland ein.
Dieser blutige und katastrophale Feldzug läutete das Erwachen Osteuropas
ein, das nach einem Zusammenschluß Süd- und Ostfrankreich besetzte.
Paris wurde am 4. März 1814 von den feindlichen Truppen eingenommen
und ein paar Tage später war Napoleon gezwungen zugunsten seines Sohnes
abzudanken, um schließlich, am 6. April 1814 , auf all seine Macht zu
verzichten.
Während seines erzwungenen Aufenthaltes auf der Insel Elba, dem lächerlichen
Rest seines Hoheitsgebietes, den ihm seine siegreichen Gegner gelassen
hatten, mußte er mit ansehen, wie die Österreicher, Preußen, Engländer
und Russen während des Wiener Kongresses seine siegreichen Gegner sein
großes Kaiserreich unter sich aufteilten.
Schließlich gelang ihm die Flucht aus der englischen Aufsicht und er
kehrte im März 1815 nach Frankreich zurück, wo er von den Liberalen
- den Gegnern der Bourbonen - unterstützt eine zweite kurze Herrschaft
antrat, die unter dem Namen "Herrschaft der hundert Tage"
bekannt wurde. Dies bewirkte eine neue europäische Koalition, die zum
Desaster von Waterloo und dem erneuten Abdanken des Kaisers am 22. Juni
1815 führte.
Napoleon begab sich in englische Hände und so wurde der Inselbewohner
mit dem ungewöhnlichen Schicksal auf die abgelegene Insel St. Helena
verbannt. Bis zu seinem Tode schwelgte er oft in Nostalgie von seiner
Heimatinsel, wobei er betrauerte, zu sehr mit Kriegen und Eifersüchteleien
beschäftigt gewesen zu sein, um die großen Pläne, die er für sie erdacht
hatte, in die Tat umzusetzen.
Ob wirkliche Absichten oder verspätetes Bedauern, vielleicht wird die
Geschichte es eines Tages erzählen. Aber die Bande zwischen Napoleon
und Korsika sind heute unzerstörbar und diejenigen, die die Taten des
berühmten Mannes verurteilen, mögen trotzdem den kleinen Jungen aus
Ajaccio, der sich auf die bewaldeten Hügel der Stadt zurückzog, vielleicht
ahnte er bereits etwas von seinem ungewöhnlichen Schicksal.